Carl Stumpf

Erkenntnislehre

Eingeleitet von Margret Kaiser-el-Safti

 

Die zweibändige "Erkenntnislehre" von Carl Stumpf ist einzigartig in ihrer Zielsetzung und Durchführung. Die Gründe für ihr in-Vergessenheit-Geraten nach Ende des Zweiten Weltkrieges werden in der Einleitung behandelt.
Frei von weltanschaulicher Voreingenommenheit berücksichtigt und würdigt Carl Stumpf alle Weisen des Erkennens, angefangen bei der alltäglichen Erkenntnis bis zu den abstraktesten Formen mathematisch-logischer, psychologischer und naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Als unbestechlicher Anwalt einer empirischen Philosophie und Psychologie gilt die Zielsetzung in letzter Instanz der Lösung des Induktionsproblems, an welcher zeitgleiche diesbezügliche Bemühungen des Neukantianismus und des Logischen Positivismus scheiterten.
Stumpfs Ansatz stützt sich sowohl auf eine akribische begriffliche und experimentelle Analyse der visuellen und der akustischen Wahrnehmung - wobei der akustischen Wahrnehmung erstmals epistemische Bedeutung beigemessen wird - als auch auf die Untersuchung methodologisch hinreichender Bedingungen der inneren Beobachtung (Introspektion).
In der Konzeption der "Urphänomene" als rational-relationale Basis der sinnlichen Wahrnehmung (Stumpfs Verständnis von Phänomenologie) und der Aufteilung der Logik in universale und regionale Axiome - dem obersten analytischen "Satz des Einschlusses" subsumiert - werden die apriorischen Grundlagen der Transzendentalphilosophie Immanuel Kants, der transzendentalen Ästhetik mit dem Postulat "reiner Formen" und der transzendentalen Logik mit dem Postulat "synthetischer Urteile a priori", abgelöst, und wird ein Logik und Empirie überbrückendes, ganzheitliches Erkenntnis- und Wissenschaftsmodell vorgestellt.

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